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7 Mythen über das Einfrieren von Eizellen

Mythos 1: 

Social Freezing ist ein neues Verfahren und wurde noch nicht ausreichend erforscht.

Wahrheit:

Social Freezing, also das vorbeugende Einfrieren von Eizellen, ist zwar erst seit 2012 nicht mehr als experimentell anerkannt, jedoch existieren die dafür genutzten medizinischen Verfahren schon seit über 30 Jahren. Die Reproduktionsmedizin blickt auf eine lange Geschichte zurück und konnte vor allem im Bereich der künstlichen Befruchtung große Meilensteine verzeichnen. So kam bereits im Jahr 1986 das erste Kind zur Welt, das mit Hilfe von eingefrorenen Eizellen gezeugt wurde. Allerdings waren die Erfolgsraten des Einfrier- und Auftauprozesses damals noch wesentlich geringer. Erst die Erfindung einer neuartigen Einfriermethode – der sogenannten Vitrifikation, sorgte dafür, dass 90-95% der eingefrorenen Eizellen auch schadensfrei wieder aufgetaut werden konnten. Dabei werden die Eizellen blitzartig in flüssigem Stickstoff bei -196° Celsius eingefroren und in einen ‘gläsernen Zustand’ gebracht. Ein Durchbruch in der modernen Reproduktionsmedizin. Die Methode wurde seitdem ständig verbessert und initial vor allem für Krebspatientinnen genutzt, da die aggressive Chemotherapie und Bestrahlung oft auch die Eierstöcke schädigen. Das Einfrieren der Eizellen – auch als Medical Freezing bezeichnet – gehört zu den wenigen Maßnahmen, welche die Fruchtbarkeit der betroffenen Frauen wieder herstellen kann. Auf Basis dieser Erfahrungen, kamen führende Experten zu dem Schluss, dass wenig dagegen spricht, die Vitrifikation auch als Vorsorge bei altersbedingter Unfruchtbarkeit zu nutzen.

Was die Erfolgschancen angeht, kann man sich vor allem an den Statistiken der künstlichen Befruchtung oder der Eizellspende orientieren. In Deutschland ist die Eizellspende zwar nicht erlaubt, aber in Ländern wie Spanien, Dänemark oder den USA wird diese Form der Behandlung bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt und zeigt nachweislich sehr hohe Erfolgsraten. Beim Social Freezing spendet man quasi seine eigene, jüngere Eizelle an sich selbst. Wenn es auch keine Langzeitstudien zum Thema Einfrieren von Eizellen gibt, so kann man doch davon ausgehen, dass die Ergebnisse hier mindestens vergleichbar sein sollten.

Mythos 2:

Social Freezing ist nur etwas für verzweifelte Frauen, die keinen Partner haben.

Wahrheit: 

Ein Grund dafür, warum das freiwillige Einfrieren von Eizellen immer noch ein Thema ist, über das viele Frauen nicht gerne reden, ist die Tatsache, dass immer noch der Irrglaube besteht, dass es nur Frauen tun, die keinen Partner finden. Man fühlt sich von der Gesellschaft abgestempelt. Dabei sind die Gründe für eine Social Freezing Behandlung oft vielschichtig und können vom fehlenden Partner, über die Karriereplanung bis zum noch mangelnden Kinderwunsch reichen.

Natürlich gibt es auch krankheitsbedingte Gründe, wie Endometriose, Hashimoto oder eine Krebsdiagnose – bei letzteren spricht man dann jedoch eher vom Medical Freezing. Aber eine OVIAVO Umfrage hat gezeigt, dass zunehmend auch Paare an der Behandlung interessiert sind. Denn unser Lifestyle verschiebt sich weiterhin nach hinten, unabhängig davon, ob wir einen Partner haben oder nicht: auch Paare wollen mittlerweile ihre Zweisamkeit länger nutzen und z.B. noch gemeinsam reisen oder in ihrer Karriere voranschreiten, bevor es in die Familienplanung geht.

Mythos 3: 

Das verwenden eingefrorener Eizellen hat Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes.

Wahrheit:

Bis heute gibt es keine Daten die belegen, dass das Verwenden eingefrorener Eizellen oder das Verwenden frischer Eizellen (z.B. bei IVF – künstlichen Befruchtungen) sich in irgendeiner Form auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Eine stichprobenartige, kontrollierte klinische Studie mit über 600 Eizellspendeempfängern, die 2010 veröffentlicht wurde, hat genau das bewiesen: Sie verglich die Schwangerschaftsraten von „frischen“ (also nie gefrorenen) Eizellen, die bei der künstlichen Befruchtung verwendet wurden, mit den Schwangerschaftsraten von vitrifizierten und aufgetauten Eizellen. Diese Studie ergab, dass das Einfrieren von Eizellen weder die Qualität noch die Fähigkeit zur Entwicklung eines gesunden Embryos beeinträchtigte. Wenn man also Eizellen im Alter von 30 Jahren einfriert und sie beispielsweise 10 Jahre später verwendet, hat man im Alter von 40 Jahren fast die gleiche Chance auf eine Schwangerschaft wie im Alter von 30 Jahren, was die Erfolgschance um über 200% erhöht.Nachweislich gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden der Babys aufgrund einer Social Freezing Behandlung.

Mythos 4:

Ich kann nach der Behandlung in keine andere Stadt oder ins Ausland ziehen, weil meine Eizellen hier gelagert sind.

Wahrheit:

Das ist falsch.

Natürlich gibt es Möglichkeiten die Eizellen sicher zu transportieren. Für den Kryo-Transport werden spezielle, tragbare Stickstoff-Behälter verwendet, auf denen Temperatursensoren installiert sind. Diese Tanks können einem langfristigen Transport weltweit standhalten. Natürlich birgt jeder Transport ein gewisses Risiko. Das grundsätzliche Risiko ist nach heutigen Standards jedoch relativ gering. Die Transportkosten variieren je nach Land und Distanz.

Mythos 5: 

Einfrieren verringert meine Chance auf natürlichem Wege schwanger zu werden und erhöht das Risiko einer vorzeitigen Menopause.

Wahrheit:

Einige Frauen denken fälschlicherweise, dass die Eizellentnahme nach der Stimulation die Anzahl der Eizellen im Körper verringert und es somit anschließend schwieriger wird, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Tatsächlich verlieren Frauen mit jedem Menstruationszyklus ca. 1000 Eizellen. Nur eine der Eizellen reift i.d.R. zum Eisprung heran – alle anderen Eizellbläschen sterben ab.

Die Hormontherapie bei einer Social Freezing Behandlung sorgt dafür, dass zu Beginn des Zyklus mehr als nur eine Eizelle von diesen 1000 Eizellbläschen heranwachsen kann. Es gehen also keine zusätzlichen Eizellen verloren, sondern man nutzt nur das, was der Körper eh abgegeben hätte. Aus diesem Grund beschleunigt das Einfrieren von Eizellen den Beginn der Wechseljahre in keinster Weise.

Mythos 6: 

Es ist besser abzuwarten und später eine künstliche Befruchtung durchzuführen, anstatt die Eizellen in jungen Jahren einzufrieren.

Wahrheit:

Um diesen Mythos aufzulösen, muss man die Biologie des weiblichen körpers verstehen: Jede Frau wird mit einer bestimmten Anzahl an Eizellen geboren. Dem Körper steht über die gesamte fruchtbare Lebensphase nur eine bestimmte Menge an gutem Zellmaterial zur Verfügung. Als Frau verliert man im Laufe der Zeit aber nicht nur die Anzahl an Eizellen, sondern auch die Qualität der Eizellen nimmt  mit zunehmendem Alter ab. Grundsätzlich sagt man, dass das Alter der Eizelle der größte Indikator für die Fruchtbarkeit einer Frau ist. Daher haben jüngere Eizellen eine bessere Chance auf gesunde Nachkommen. Aus diesem Grund empfehlen Ärzte Social Freezing idealerweise im Alter von unter 35 Jahren durchzuführen. Das erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche und gesunde Schwangerschaft.

Lässt man es mit zunehmendem Alter auf eine künstliche Befruchtung ankommen, dann werden entsprechend die “älteren” Eizellen für die Befruchtung genutzt. Die Erfolgswahrscheinlichkeiten sind dann altersabhängig entsprechend geringer als die, seiner jüngeren Eizellen.

Mythos 7: 

Es ist zu spät die Eizellen mit 38 Jahren einfrieren zu lassen.

Wahrheit:

Nein, es ist nicht zu spät.

Natürlich ist es auch möglich seine Eizellen mit 38 Jahren einzufrieren. Die Herausforderung ist, dass dann in der Regel weniger Eizellen vorhanden sind, aber gleichzeitig mehr Eizellen benötigt werden, um eine ausreichende Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit zu erlangen. Dazu kommt, dass die Kosten hier schnell in die Höhe schießen können, da mehrere Behandlungszyklen notwendig sind.

Natürlich empfehlen wir jeder Frau ihre Eizellen am besten vor 35 Jahren einzufrieren, aber am Ende ist es die individuelle Entscheidung und Verantwortung einer jeden Frau abzuwägen, ob diese Kosten-Nutzen-Rechnung für sie persönlich Sinn ergibt. Mehr zum Thema Alter und Social Freezing findest du hier.

Eizellen einfrieren mit 38 – bin ich schon zu alt?

Wann ist das optimale Alter zum Einfrieren von Eizellen? Bin ich mit 38 Jahren schon zu alt? Lohnt sich das Ganze überhaupt für mich? All das sind Fragen, die wir bei OVIAVO immer und immer wieder hören. Wir können dir diese Entscheidung nicht abnehmen, aber dir alle Informationen geben, damit du selbst die richtige Entscheidung für dich treffen kannst. Daher haben wir hier die wichtigsten Aspekte für dich zusammengetragen.

Eizelle Reserve und Eizellqualität

Um das Thema richtig bewerten zu können, müssen wir erstmal einen Schritt zurückgehen und verstehen, wie der weibliche Körper überhaupt funktioniert. Denn wir werden bereits mit all unseren Eizellen geboren, in der Regel sind das bis zu 1-2 Millionen. Mit Beginn der Menstruation verlieren wir dann monatlich um die 1000 Eizellen, von denen es meist nur eine in den Reifezustand des Eisprungs schafft. Das bedeutet auch, dass die Eizellreserve irgendwann aufgebraucht ist – dies ist der Zeitraum, in dem die Menopause einsetzt. Laut Experten haben die meisten Frauen mit 35 Jahren bereits 95% ihrer Eizellreserve aufgebraucht!

Wir verlieren aber im Laufe unseres Lebens nicht nur an Quantität, sondern auch an Qualität der Eizellen. Mit jedem Jahr das vergeht, verringert sich die Qualität der Eizellen und somit auch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft. Gemessen wird der Qualitätsverlust statistisch an der zunehmenden Fehlgeburtenrate und den steigenden chromosomalen Veränderungen, welche vor allem ab dem 35. Lebensjahr besonders signifikant nachgewiesen werden können. Daher gilt: Je jünger die Eizellen sind, desto besser die Qualität und dementsprechend hoch die Wahrscheinlichkeit, dass man mit den eingefrorenen Eizellen eine erfolgreiche Schwangerschaft erlangt.

Alter und Fruchtbarkeit

Die Wahrscheinlichkeit pro Menstruationszyklus schwanger zu werden, liegt bei einer jungen Frauen unter 32 Jahren bei etwa 20-25% pro Zyklus (Im Vergleich dazu: im Alter von 35 Jahren liegt diese bei etwa 12% pro Zyklus, im Alter von 38 Jahren bei ca. 5% pro Zyklus, im Alter von 40 Jahren bei 3% pro Zyklus). Daher werden die meisten jungen Paare, die versuchen schwanger zu werden, innerhalb von 4-6 Monaten, spätestens aber nach 12 Monaten schwanger. Insgesamt haben 15% dieser Paare nicht die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres schwanger zu werden. Diese Fälle werden dem Begriff  ,,Unfruchtbarkeit” zugeordnet

Das alles bedeutet nicht, dass man nicht auch weit über 35 Jahren noch auf natürlichem Wege schwanger werden kann. Im Gegenteil, es gibt viele Beispiele dafür, dass Frauen auch mit 40, 45 oder 50 Jahren noch natürlich schwanger werden können. Aber das sind eben die Ausnahmen. Die Frage ist, ob man darauf setzen will, dass man zu diesen wenigen Ausnahmen gehört oder ob man proaktiv mit seiner Situation umgeht und sich entsprechend vorbereitet. 

Worauf möchte ich setzen? 

Eine wichtige Frage, die man sich im Zuge der Behandlung stellen sollte ist: wo stehe ich gerade in meinem Leben und wo will ich hin. Wenn du zum Beispiel 28 Jahre alt und in einer glücklichen Beziehung bist und du sehr bald Kinder planst, dann macht eine Social Freezing Behandlung vielleicht weniger Sinn. Wenn du 35 Jahre alt und single bist, du dir aber unbedingt 3 Kinder in deinem Leben wünschst, dann wäre das Einfrieren von Eizellen – zumindest unserer Meinung nach – eine absolut sinnvolle Entscheidung. Ebenso steht es um die Karriere: du bist 33 und in einer Beziehung, aber du willst dich die nächsten Jahre auf deinen beruflichen Werdegang und dich selbst fokussieren? Dann kann Social Freezing eine gute Backup Option für dich sein.

 

Fun Fact: Das Durchschnittsalter zum Einfrieren von Eizellen in Deutschland lag letztes Jahr bei 38 Jahren!

Die Entscheidung zum Einfrieren von Eizellen bedeutet oft auch eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dir selbst, deinem Körper und deiner Psyche. Das ist nicht immer einfach und kann auch mit starkem persönlichen und gesellschaftlichen Druck verbunden sein. Die meisten Frauen wissen Ende 20, Anfang 30 allerdings schon sehr gut, wo sie gerade stehen und vor allem: wo sie hin möchten. Und glücklicherweise ist dies auch das optimale Zeitfenster, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Du bist mit dem Lesen dieses Blogs also auf dem richtigen Weg! 

Kosten zum Einfrieren von Eizellen

Die Behandlungskosten hängen stark vom Alter, den individuellen Gegebenheiten und den Hormonwerten ab. Je später man startet, desto höher werden die Kosten für das Einfrieren von Eizellen. Die Daumenregel sagt, dass man ungefähr so viele Eizellen benötigt, wie man selbst alt ist. Denn je älter man ist, desto mehr Eizellen braucht man, um eine entsprechende Wahrscheinlichkeit für eine spätere erfolgreiche Schwangerschaft zu bekommen. In den seltensten Fällen kann dieser Eizell-Puffer durch einen einzigen Zyklus erreicht werden. Vermutlich müsstest du also mehrere Zyklen durchlaufen, um deinen persönlichen Eizell-Puffer absichern zu können. Jeder Zyklus hat einen entsprechenden Kostenpunkt und je mehr Zyklen du brauchst, desto teurer wird die Behandlung insgesamt. Wenn du also mit 38 Jahren deine Eizellen einfrieren willst, kann das wesentlich teurer werden, als wenn du es bereits mit 30 getan hättest. Auch das ist für viele Frauen ein weiterer Grund, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen.

Eine genaue Übersicht zu den Kosten einer Social Freezing Behandlung findest du hier.

Individuelle Kosten-Nutzen-Rechnung

Natürlich wäre eine Social Freezing Behandlung am sinnvollsten, wenn man bereits mit Anfang 20 seine Eizellen einfrieren würde: hohe Eizellqualität, geringere Anzahl benötigter Eizellen, geringere Kosten. Die Realität ist jedoch, dass die meisten Frauen erst später merken, wie sich ihre Lebensplanung entwickelt. Dazu kommt, dass man sich nicht einer unnötigen Behandlung unterziehen muss, wenn man eh plant vor 30 schwanger zu werden. 

Die optimale Zeitspanne ist daher zwischen Ende 20 und Anfang 30. Definitiv aber vor 35 Jahren, da die Anzahl und Qualität der Eizellen danach exponentiell abfällt.

Natürlich ist es auch möglich seine Eizellen nach 38 Jahren einzufrieren. Die Herausforderung ist, dass dann in der Regel weniger Eizellen vorhanden sind, aber gleichzeitig mehr Eizellen benötigt werden, um eine ausreichende Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit zu erlangen. Dazu kommt, dass die Kosten hier schnell in die Höhe schießen können, da mehrere Behandlungszyklen notwendig sind.

Natürlich empfehlen wir keiner Frau ihre Eizellen noch mit 40 Jahren einzufrieren, aber am Ende ist es die individuelle Entscheidung und Verantwortung einer jeden Frau abzuwägen, ob diese Kosten-Nutzen-Rechnung für sie persönlich Sinn ergibt. Denn auch wenn man mit 40 Jahren nicht die besten Voraussetzungen für eine Behandlung hat, sind die Erfolgschancen einer 40-jährigen Eizelle wesentlich höher als die einer 43-jährigen Eizelle. 

Macht Social Freezing für dich Sinn?

Wir wissen, dass es keine leichte Entscheidung ist, aber für uns steht fest: die Möglichkeit, Eizellen einzufrieren ist ein Game-Changer. Es gibt uns Frauen die Freiheit für mehr reproduktive Flexibilität und Selbstbestimmung. Natürlich ist die Behandlung keine Garantie. Nicht alle Frauen, die ihre Eizellen einfrieren, können sich den Kinderwunsch dadurch erfüllen. Es kann immer sein, dass der Prozess nicht funktioniert – aus den verschiedensten Gründen. Die Behandlung sollte eher als eine Investition in dich und deine reproduktive Zukunft gesehen werden. Du gibst dir die bestmögliche Option für eine Familie, oder hältst dir generell einfach alle Optionen frei. Viele Frauen, die ihre Eizellen einfrieren, werden diese vielleicht nie benutzen und ohne Probleme auf natürlichem Wege schwanger werden. Aber unabhängig davon haben sie eine proaktive Entscheidung für die Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit getroffen und sich vorübergehend den Druck der biologischen Uhr genommen.

Die Eizelle ist die größte Zelle im Körper einer Frau. Warum wissen wir dann so wenig darüber?

Die meisten Zellen sind mit bloßem Auge gar nicht sichtbar, sondern können nur mit Hilfe eines Mikroskops betrachtet werden. Die menschliche Eizelle ist eine Ausnahme, sie ist tatsächlich die größte Zelle im Körper und kann ohne Mikroskop gesehen werden. 

Im Vergleich zu den anderen menschlichen Zellen sind Eizellen fast “riesig”. Sie haben einen Durchmesser von 100 Mikrometern (das ist ein Millionstel Meter) und sind ungefähr so ​​breit wie eine Haarsträhne. 

Die Lebensdauer der Eizelle nach dem Eisprung ist hingegen eher gering. Sobald der Eisprung stattgefunden hat, beginnt sich das Zellmaterial der freigesetzten Eizelle sehr schnell zu verschlechtern und das fruchtbare Fenster beginnt sich zu schließen. Nach 12-24 Stunden stirbt die Eizelle ab und eine Schwangerschaft ist dann erst wieder im nächsten Zyklus möglich.

Aus diesem Grund ist die beste Empfängniszeit der Tag vor dem Eisprung. Im Vergleich zu Eizellen sind Spermien nach ihrer Freisetzung widerstandsfähiger und können im weiblichen Fortpflanzungstrakt bis zu fünf Tage überleben! Das Überleben der Spermien hängt von den richtigen Bedingungen ab, beispielsweise von der Konsistenz des Zervixschleims. 

Wie viele Eizellen hat eine Frau?  

Eine Frau wird mit allen Ihren Eizellen geboren. In beiden Eierstöcken eines Neugeborenen Mädchens befinden sich etwa 1-2 Millionen unreife Eizellen. Sie bleiben vorerst bis zur Pubertät inaktiv. Einige sterben schon bevor sie sich entwickeln. Zum Zeitpunkt der ersten Menstruation bleibt einer Frau weniger als die Hälfte der Anzahl an Eizellen, die sie bei der Geburt hatte. Vom Beginn der Menstruation bis zur Menopause verliert eine Frau pro Zyklus ungefähr 1000 Eizellen. In diesem Zeitraum durchläuft eine Frau ca. 300-400 Menstruationszyklen. Das bedeutet auch, dass ungefähr die gleiche Anzahl an Eizellen in dieser Zeit heranreift und befruchtet werden kann. 

Pro Zyklus reift in der Regel nur eine Eizelle heran. Diesen Reifeprozess nennt man Ovulation oder auch Eisprung. In einigen Fällen können auch mehr als eine Eizelle zum Eisprung heranreifen, was dann zu einer Mehrlingsschwangerschaft führen kann. Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich die befruchtete Eizelle in zwei Teile teilt und sind im Gegensatz zu zweieiigen Zwillingen genetisch gleich.

Im Laufe der Jahre verliert eine Frau also Ihre Eizellreserve, weil keine neuen Eizellen mehr produziert werden. Anders als bei Männern, deren Körper täglich etwa 1 Millionen Spermien produziert.

Doch was ist mit der Qualität der Eizellen?

Auch was die Qualität betrifft, hat das männliche Spermium im Vergleich zur weiblichen Eizelle einen Vorteil. Spermien können im Laufe des Lebens zwar an Qualität verlieren, z. B. wegen einer schlechten Ernährung, Alkohol- oder Nikotinkonsum, sie können sich aber wieder regenerieren, sobald man den Lebensstil wieder ändert. Eine weibliche Eizelle kann das nicht. Natürlich nimmt die Fruchtbarkeit bei Männern mit zunehmendem Alter auch langsam ab – nur eben etwas später als bei der Frau. Weniger Spermien werden gebildet und die zeugungsfähig lässt entsprechend nach.

Eine Frau verliert im Laufe der Zeit also nicht nur an Quantität von Eizellen, sondern auch an Qualität. Statistiken zeigen, dass ab dem 35 Lebensjahr die Qualität der Eizellen deutlich sinkt und sich die Fehlgeburtenrate und die Wahrscheinlichkeit auf Chromosomenschäden erhöhen.

Was hat das alles zu bedeuten?

Erstmal sollte man nicht in Panik verfallen. Natürlich darf man dieses Problem nicht ignorieren, aber man sollte sich selbst keinen Druck machen. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten den Kinderwunsch auch zu einem späteren Zeitpunkt verfolgen zu können. Das wichtigste ist, dass man sich der Statistiken und auch seiner eigenen Situation bzw. Lebensplanung bewusst ist. Denn dann kann man frühzeitig für zukünftige Herausforderungen planen.

Wenn du Fragen zum Thema Social Freezing hast, kannst du dich gern an uns wenden.  

Quelle:

Franck Pellestor, Brigitte Andréo, Françoie Arnal, Claude Humeau, Jacques Demaille (2003) : Maternal Aging and Chromosomal Abnormalities: New Data Drawn From in Vitro Unfertilized Human Oocytes. – Abgerufen am 11. Juni, 2020, von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12522562/

CUCA by Linda Interview: Den Kinderwunsch auf Eis legen? Alles rund um das Einfrieren von Eizellen

 
Viele Frauen möchten ihren Kinderwunsch gerne noch ein paar Jahre auf Eis legen und zur Sicherheit ihre Eizellen einfrieren. Eine sinnvolle Maßnahme, da bereits ab 30 die Fruchtbarkeit der Frau stark abnimmt. In diesem Artikel verrät Dir OVIAVO-Gründerin und „Einfrier-Expertin“ Jenny Saft, alles was Du über das „Social Freezing“ wissen solltest.

 

 

Über Machtverhältnisse und Gerechtigkeit durch die Reproduktionsmedizin

Carl Djerassi, emeritierter Chemie-Professor in Stanford, Erfinder der Pille, über den gesellschaftlichen Wandel und die Bedeutung von Social Freezing für Frauen.

“Das Einfrieren von Eizellen wird das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern verringern – und allen mehr Optionen eröffnen.”

 

 

“Frauen treffen die richtige Entscheidung für sich, wenn sie alle notwendigen Informationen vorliegen haben.”

In ihrem Podcast „As a Woman“ gibt Kinderwunschärztin Dr. Natalie Crawford aus den USA jede Woche Infos zum Thema Frauengesundheit, Fruchtbarkeit und wie man für sich selbst die beste Entscheidung trifft.

Obwohl ihr erfolgreicher Podcast mittlerweile über 40 Folgen hat und wir jede einzelne davon großartig finden, empfehlen wir ganz besonders die

Folge 12: Egg Freezing.

 

Folgende Fragen werden von ihr persönlich und detailliert beantwortet:

  • Was genau ist das Einfrieren von Eizellen?
  • Wie wirkt sich das Alter auf den Erfolg beim Einfrieren von Eizellen aus?
  • Wie ist der Prozess des Einfrierens von Eizellen?
  • Funktioniert das Einfrieren von Eizellen?
  • Was sind Hormonspritzen?
  • Wie wird mein Zyklus überwacht?
  • Wie läuft die Eizellentnahme ab?
  • Welche Fragen sollte man seinen Kinderwunscharzt stellen?

Wenn du darüber nachdenkst deine Eizellen einzufrieren, dann ist dieser Podcast ein „Must Listen“!

Von daher viel Spaß!