Eizellen einfrieren mit 38 – bin ich schon zu alt?

Wann ist das optimale Alter zum Einfrieren von Eizellen? Bin ich mit 38 Jahren schon zu alt? Lohnt sich das Ganze überhaupt für mich? All das sind Fragen, die wir bei OVIAVO immer und immer wieder hören. Wir können dir diese Entscheidung nicht abnehmen, aber dir alle Informationen geben, damit du selbst die richtige Entscheidung für dich treffen kannst. Daher haben wir hier die wichtigsten Aspekte für dich zusammengetragen.

Eizelle Reserve und Eizellqualität

Um das Thema richtig bewerten zu können, müssen wir erstmal einen Schritt zurückgehen und verstehen, wie der weibliche Körper überhaupt funktioniert. Denn wir werden bereits mit all unseren Eizellen geboren, in der Regel sind das bis zu 1-2 Millionen. Mit Beginn der Menstruation verlieren wir dann monatlich um die 1000 Eizellen, von denen es meist nur eine in den Reifezustand des Eisprungs schafft. Das bedeutet auch, dass die Eizellreserve irgendwann aufgebraucht ist – dies ist der Zeitraum, in dem die Menopause einsetzt. Laut Experten haben die meisten Frauen mit 35 Jahren bereits 95% ihrer Eizellreserve aufgebraucht!

Wir verlieren aber im Laufe unseres Lebens nicht nur an Quantität, sondern auch an Qualität der Eizellen. Mit jedem Jahr das vergeht, verringert sich die Qualität der Eizellen und somit auch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft. Gemessen wird der Qualitätsverlust statistisch an der zunehmenden Fehlgeburtenrate und den steigenden chromosomalen Veränderungen, welche vor allem ab dem 35. Lebensjahr besonders signifikant nachgewiesen werden können. Daher gilt: Je jünger die Eizellen sind, desto besser die Qualität und dementsprechend hoch die Wahrscheinlichkeit, dass man mit den eingefrorenen Eizellen eine erfolgreiche Schwangerschaft erlangt.

Alter und Fruchtbarkeit

Die Wahrscheinlichkeit pro Menstruationszyklus schwanger zu werden, liegt bei einer jungen Frauen unter 32 Jahren bei etwa 20-25% pro Zyklus (Im Vergleich dazu: im Alter von 35 Jahren liegt diese bei etwa 12% pro Zyklus, im Alter von 38 Jahren bei ca. 5% pro Zyklus, im Alter von 40 Jahren bei 3% pro Zyklus). Daher werden die meisten jungen Paare, die versuchen schwanger zu werden, innerhalb von 4-6 Monaten, spätestens aber nach 12 Monaten schwanger. Insgesamt haben 15% dieser Paare nicht die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres schwanger zu werden. Diese Fälle werden dem Begriff  ,,Unfruchtbarkeit” zugeordnet

Das alles bedeutet nicht, dass man nicht auch weit über 35 Jahren noch auf natürlichem Wege schwanger werden kann. Im Gegenteil, es gibt viele Beispiele dafür, dass Frauen auch mit 40, 45 oder 50 Jahren noch natürlich schwanger werden können. Aber das sind eben die Ausnahmen. Die Frage ist, ob man darauf setzen will, dass man zu diesen wenigen Ausnahmen gehört oder ob man proaktiv mit seiner Situation umgeht und sich entsprechend vorbereitet. 

Worauf möchte ich setzen? 

Eine wichtige Frage, die man sich im Zuge der Behandlung stellen sollte ist: wo stehe ich gerade in meinem Leben und wo will ich hin. Wenn du zum Beispiel 28 Jahre alt und in einer glücklichen Beziehung bist und du sehr bald Kinder planst, dann macht eine Social Freezing Behandlung vielleicht weniger Sinn. Wenn du 35 Jahre alt und single bist, du dir aber unbedingt 3 Kinder in deinem Leben wünschst, dann wäre das Einfrieren von Eizellen – zumindest unserer Meinung nach – eine absolut sinnvolle Entscheidung. Ebenso steht es um die Karriere: du bist 33 und in einer Beziehung, aber du willst dich die nächsten Jahre auf deinen beruflichen Werdegang und dich selbst fokussieren? Dann kann Social Freezing eine gute Backup Option für dich sein.

 

Fun Fact: Das Durchschnittsalter zum Einfrieren von Eizellen in Deutschland lag letztes Jahr bei 38 Jahren!

Die Entscheidung zum Einfrieren von Eizellen bedeutet oft auch eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dir selbst, deinem Körper und deiner Psyche. Das ist nicht immer einfach und kann auch mit starkem persönlichen und gesellschaftlichen Druck verbunden sein. Die meisten Frauen wissen Ende 20, Anfang 30 allerdings schon sehr gut, wo sie gerade stehen und vor allem: wo sie hin möchten. Und glücklicherweise ist dies auch das optimale Zeitfenster, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Du bist mit dem Lesen dieses Blogs also auf dem richtigen Weg! 

Kosten zum Einfrieren von Eizellen

Die Behandlungskosten hängen stark vom Alter, den individuellen Gegebenheiten und den Hormonwerten ab. Je später man startet, desto höher werden die Kosten für das Einfrieren von Eizellen. Die Daumenregel sagt, dass man ungefähr so viele Eizellen benötigt, wie man selbst alt ist. Denn je älter man ist, desto mehr Eizellen braucht man, um eine entsprechende Wahrscheinlichkeit für eine spätere erfolgreiche Schwangerschaft zu bekommen. In den seltensten Fällen kann dieser Eizell-Puffer durch einen einzigen Zyklus erreicht werden. Vermutlich müsstest du also mehrere Zyklen durchlaufen, um deinen persönlichen Eizell-Puffer absichern zu können. Jeder Zyklus hat einen entsprechenden Kostenpunkt und je mehr Zyklen du brauchst, desto teurer wird die Behandlung insgesamt. Wenn du also mit 38 Jahren deine Eizellen einfrieren willst, kann das wesentlich teurer werden, als wenn du es bereits mit 30 getan hättest. Auch das ist für viele Frauen ein weiterer Grund, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen.

Eine genaue Übersicht zu den Kosten einer Social Freezing Behandlung findest du hier.

Individuelle Kosten-Nutzen-Rechnung

Natürlich wäre eine Social Freezing Behandlung am sinnvollsten, wenn man bereits mit Anfang 20 seine Eizellen einfrieren würde: hohe Eizellqualität, geringere Anzahl benötigter Eizellen, geringere Kosten. Die Realität ist jedoch, dass die meisten Frauen erst später merken, wie sich ihre Lebensplanung entwickelt. Dazu kommt, dass man sich nicht einer unnötigen Behandlung unterziehen muss, wenn man eh plant vor 30 schwanger zu werden. 

Die optimale Zeitspanne ist daher zwischen Ende 20 und Anfang 30. Definitiv aber vor 35 Jahren, da die Anzahl und Qualität der Eizellen danach exponentiell abfällt.

Natürlich ist es auch möglich seine Eizellen nach 38 Jahren einzufrieren. Die Herausforderung ist, dass dann in der Regel weniger Eizellen vorhanden sind, aber gleichzeitig mehr Eizellen benötigt werden, um eine ausreichende Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit zu erlangen. Dazu kommt, dass die Kosten hier schnell in die Höhe schießen können, da mehrere Behandlungszyklen notwendig sind.

Natürlich empfehlen wir keiner Frau ihre Eizellen noch mit 40 Jahren einzufrieren, aber am Ende ist es die individuelle Entscheidung und Verantwortung einer jeden Frau abzuwägen, ob diese Kosten-Nutzen-Rechnung für sie persönlich Sinn ergibt. Denn auch wenn man mit 40 Jahren nicht die besten Voraussetzungen für eine Behandlung hat, sind die Erfolgschancen einer 40-jährigen Eizelle wesentlich höher als die einer 43-jährigen Eizelle. 

Macht Social Freezing für dich Sinn?

Wir wissen, dass es keine leichte Entscheidung ist, aber für uns steht fest: die Möglichkeit, Eizellen einzufrieren ist ein Game-Changer. Es gibt uns Frauen die Freiheit für mehr reproduktive Flexibilität und Selbstbestimmung. Natürlich ist die Behandlung keine Garantie. Nicht alle Frauen, die ihre Eizellen einfrieren, können sich den Kinderwunsch dadurch erfüllen. Es kann immer sein, dass der Prozess nicht funktioniert – aus den verschiedensten Gründen. Die Behandlung sollte eher als eine Investition in dich und deine reproduktive Zukunft gesehen werden. Du gibst dir die bestmögliche Option für eine Familie, oder hältst dir generell einfach alle Optionen frei. Viele Frauen, die ihre Eizellen einfrieren, werden diese vielleicht nie benutzen und ohne Probleme auf natürlichem Wege schwanger werden. Aber unabhängig davon haben sie eine proaktive Entscheidung für die Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit getroffen und sich vorübergehend den Druck der biologischen Uhr genommen.