Ganzheitlicher Ernährung

Hast du schon einmal von ganzheitlicher Ernährung gehört?

Immer wieder fragen uns Frauen, wie sie ihren Lifestyle, ihre Ernährung oder ihre Gewohnheiten anpassen sollten, um ein optimales Ergebnis für ihre Behandlung im Kinderwunschzentrum zu erhalten. Deshalb haben wir ‘Functional Nutritional Therapy Practitioner’ Sabine Wilkin gefragt, ob sie die wichtigsten Zusammenhänge zum Thema ganzheitliche Ernährung und physisches Wohlbefinden für uns erläutern kann. In regelmäßigen Abständen wird sie daher auf OVIAVO Beiträge unter der Kategorie “Food for Thought” verfassen und auf unterschiedliche Aspekte einer gesunden Lebensgestaltung eingehen.

Essen ist ein täglicher Bestandteil unseres Lebens. Jedoch sind wir uns oft nicht im Klaren darüber, welche Nahrungsmittel uns wirklich guttun. Eine gesunde Ernährung scheint auf den ersten Blick oft mühsam und zeitaufwendig. Daher sieht der Morgen bei vielen von uns sehr ähnlich aus: In Eile verlassen wir das Haus, um vor der Arbeit noch schnell ein Workout zu machen bevor der Alltagsstress beginnt. Der Coffee-to-go muss erst einmal als Frühstück ausreichen. Wir fühlen uns den ganzen Tag gehetzt und es bleibt nur wenig Zeit einmal tief durchzuatmen. Am Ende des Tages fällt man dann erschöpft ins Bett und hat Schwierigkeiten einzuschlafen. Aus Sicht eines Ernährungsexperten klingt dies nach einer klaren Dysbalance im Körper. 

Nehmen wir uns jedoch die Zeit um bewusst zu essen und tief ein- und auszuatmen, können wir den Körper ganz leicht in einen Ruhezustand versetzen. Nutzt man diese Technik, zum Beispiel vor der Einnahme einer Mahlzeit, kann man so ganz einfach den Parasympathikus des vegetativen Nervensystems aktivieren. In diesem Zustand wird der Blutdruck und die Herzfrequenz gesenkt, die Adrenalinausschüttung in den Nebennieren gehemmt und die Gallenblase entleert. Damit gibst du deinem Körper die Möglichkeit, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren: nämlich die Verdauung. Ist das nicht verrückt! Einfach Atmen? Natürlich ist das einfacher gesagt als getan, denn auch hier gilt: Übung macht den Meister.

 

Stress hat erheblichen Einfluss auf unser Verdauungssystem

Eine unausgewogene Ernährung und Stress gehören oft zum Normalzustand in unserer Gesellschaft. Dabei sollten wir Symptome wie Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Vergesslichkeit, Hautirritationen und Verdauungsbeschwerden als ernste Warnsignale deuten. Denn werden die Signale ignoriert, kann es zu weitaus schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. 

Wer unter ständigem Stress steht, auf Medikamente angewiesen ist und seine Ernährung vorwiegend aus raffinierten Lebensmitteln bezieht, der kann davon ausgehen, dass die Kommunikation zwischen Magen und Gehirn eingeschränkt ist. Dies kann zur Folge haben, dass bestimmte Darmkulturen angegriffen werden, die sonst die standardmäßigen Vorgänge im Körper unterstützen. Finden sich vermehrt ungesunde Darmbakterien im Körper, kann es passieren, dass die Kommunikation der Zellen untereinander manipuliert wird. Dies kann wiederum zur Folge haben, dass die Blutzirkulation oder das Sättigungsgefühl beeinträchtigt werden. Nimmst du verstärkt Symptome wie Gelenkschmerzen, Hautausschlag und Durchfall wahr, solltest du einen Arzt konsultieren, da dies unter anderem Anzeichen für eine Autoimmunerkrankung sein können. 

Ungefähr 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Verdauungstrakt. Sogar die Bildung der Nervenzellen wird hier angeregt. Das Gehirn und der Magen sind an sich sehr ähnliche Nervensysteme. Beide verwenden dieselben Neurotransmitter und Botenstoffe, um miteinander zu kommunizieren. Zum Beispiel wird Serotonin im Kopf als “Glückshormon” bezeichnet. Im Verdauungstrakt dagegen regt es die Darmaktivität an und reguliert das Immunsystem. 

 

Frauen aufgepasst! 

Was die meisten gar nicht wissen, ist dass unsere Ernährung einen erheblichen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt hat. Wenn die Verdauung nicht am Schnürchen läuft, ist auch die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigt, denn sie produziert und speichert zwei wichtige Hormone: T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxine). Diese Hormone erhöhen den Energieumsatz im Körper und regulieren unsere Temperatur und Aktivität. Daneben haben sie eine hemmende Wirkung auf die Ausschüttung von TRH (Thyreotropin Releasing Hormon) und TSH (Thyroid-stimulierendes Hormon). Beide Hormone sind zentral an der Steuerung der Schilddrüsenfunktion beteiligt. Das Zusammenspiel dieser Hormone wird auch als Hypophysen-Schilddrüsen-Regelkreis bezeichnet: 

Sobald ein Mangel an Schilddrüsenhormonen besteht, sinkt der Hormonspiegel von T3 und T4 im Blut. Dies wiederum wird von unserem Gehirn registriert und die Hypophyse setzt als Antwort darauf TSH frei. Dadurch wird die Produktion von T3 und T4 wieder angeregt. Ist die Kommunikation dieses Kreislaufs beeinträchtigt, kann es zu einer Störung des Stoffwechsels, der Fortpflanzung oder der Herzaktivität kommen. Eine ausgeglichene Verdauung sorgt also dafür, dass nicht nur unser Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel, sondern auch unser Wachstum, unsere Fortpflanzung und unsere Herzaktivität richtig reguliert werden. 

Besteht ein Ungleichgewicht des Hormonhaushaltes, kann es unter diversen Voraussetzungen zu einer Störung des weiblichen Zyklus kommen. Symptome wie Schlafstörungen, depressive Stimmungen, Müdigkeit oder Haarausfall können ein Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Wohingegen verstärktes Schwitzen, Wärmeintoleranz, warme, feuchte Hände und Zyklusstörungen Zeichen einer Überfunktion sein können. 

Die Schilddrüsenhormone und das Sexualhormon Östrogen stehen ebenfalls im engen Verhältnis miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Wird überflüssiges Östrogen nicht durch den Darm ausgeschieden, kommt es zu einer Östrogendominanz. In diesem Fall kann nur eine geringe Menge Progesteron produziert werden. Progesteron, auch Gelbkörperhormon genannt, ist eigentlich dafür verantwortlich die Gebärmutter auf eine mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle vorzubereiten. Ein niedriges Progesteronlevel kann daher einer geplanten Schwangerschaft im Weg stehen.

Auch die Leber beeinflusst die Eizellqualität, denn sie ist für den Abbau von Östrogenen, der Umwandlung von Hormonen und für das Weitersenden von Mineralien, Nährstoffen und Botenstoffen verantwortlich. Etwa ein Fünftel dieser Vorgänge wird von der Darmflora gesteuert – womit wir wieder am Anfang wären. Eine gesunde Darmflora ist daher essentiell für unseren Hormonhaushalt. 

Es gibt jedoch keinen Grund zur Verzweiflung, denn unser Körper gibt uns diese Warnsignale bewusst weiter. Unsere Aufgabe ist es sie zu verstehen und darauf einzugehen. Mit den richtigen Nährstoffen kann der Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Eine gute Basis zur Wiederherstellung der geschädigten Vorgänge ist eine nährstoffreiche Ernährung, die aus unraffinierten Lebensmitteln besteht, qualitativ hochwertig ist, Bio- und regionale Produkte beinhaltet und frei von Pestiziden und Hormonen ist. Auch der Einfluss von Lifestyle und Mindsets sollte nicht unterschätzt werden. Es ist wichtig, so oft wie möglich bewusst zu essen, um in einen parasympathischen Zustand zu gelangen, denn Ruhe, Stressbewältigung, ausreichend Schlaf und Bewegung haben einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Bist du jetzt überfordert? 

Keine Panik! Über eine ganzheitliche Ernährungstherapie ist es möglich gezielte Verbesserungen vorzunehmen. Hierbei besprichst du den Ursprung deiner Beschwerden mit einem Experten, um so gemeinsam realistische und langanhaltende Gewohnheiten zu schaffen. Diese basieren auf der Grundlage gezielter Fragen zur Verdauung, zur Blutzuckerregulierung, deiner täglichen Ernährung und deines Lifestyles. Zugleich orientiert sich die Therapie an den Bedürfnissen des Individuums und arbeitet nach dem Prinzip der Bio-Individualität. Dabei wird der Mensch auf allen drei Ebenen – Körper, Geist und Seele – betrachtet, um entsprechende Anpassungen vorzunehmen. 

Man kann also sagen, dass eine gesunde Ernährung einen positiven Effekt auf alle Lebensbereiche hat. Es spielt keine Rolle mit welchem Aspekt deines Lebens du beginnst, sondern dass du beginnst. Du warst schon immer neugierig Yoga auszuprobieren, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Dir ist bewusst, dass du aktuell nur fünf Stunden Schlaf bekommst, dann ist es auch hier empfehlenswert, dies auf acht Stunden zu optimieren. Kleine Veränderungen wie diese erzielen große Resultate. Auch wenn Veränderungen Zeit brauchen: Du allein hast in der Hand, wie du mit deiner Gesundheit umgehst. 

Sabine Wilkin ist studierte Biologin mit dem Fokus auf Gesundheit, Wellness und Bewegungslehre. Gesunde Ernährung und das physische Wohlbefinden standen immer im Vordergrund ihrer Interessen. Daher hat sie 2017 beschlossen, ihr Wissen zu vertiefen und sich als ‘Functional Nutritional Therapy Practitioner’ über die Nutritional Therapy Association zertifizieren zu lassen. Nun möchte sie ihr Wissen mit anderen teilen und dabei helfen, das Bewusstsein für den eigenen Körper wiederherzustellen. Denn alles was wir im Alltag tun, hat eine Konsequenz für unser Wohlbefinden. Nach 10 Jahren in San Francisco lebt die frischgebackene Mama seit 2018 mit ihrem Ehemann und Labradoodle in Berlin. Mehr Infos zum Thema Coaching rund um die ganzheitliche Ernährung mit Sabine findest du hier.