Mythen zu Social Freezing

7 Mythen über das Einfrieren von Eizellen

Mythos 1: 

Social Freezing ist ein neues Verfahren und wurde noch nicht ausreichend erforscht.

Wahrheit:

Social Freezing, also das vorbeugende Einfrieren von Eizellen, ist zwar erst seit 2012 nicht mehr als experimentell anerkannt, jedoch existieren die dafür genutzten medizinischen Verfahren schon seit über 30 Jahren. Die Reproduktionsmedizin blickt auf eine lange Geschichte zurück und konnte vor allem im Bereich der künstlichen Befruchtung große Meilensteine verzeichnen. So kam bereits im Jahr 1986 das erste Kind zur Welt, das mit Hilfe von eingefrorenen Eizellen gezeugt wurde. Allerdings waren die Erfolgsraten des Einfrier- und Auftauprozesses damals noch wesentlich geringer. Erst die Erfindung einer neuartigen Einfriermethode – der sogenannten Vitrifikation, sorgte dafür, dass 90-95% der eingefrorenen Eizellen auch schadensfrei wieder aufgetaut werden konnten. Dabei werden die Eizellen blitzartig in flüssigem Stickstoff bei -196° Celsius eingefroren und in einen ‘gläsernen Zustand’ gebracht. Ein Durchbruch in der modernen Reproduktionsmedizin. Die Methode wurde seitdem ständig verbessert und initial vor allem für Krebspatientinnen genutzt, da die aggressive Chemotherapie und Bestrahlung oft auch die Eierstöcke schädigen. Das Einfrieren der Eizellen – auch als Medical Freezing bezeichnet – gehört zu den wenigen Maßnahmen, welche die Fruchtbarkeit der betroffenen Frauen wieder herstellen kann. Auf Basis dieser Erfahrungen, kamen führende Experten zu dem Schluss, dass wenig dagegen spricht, die Vitrifikation auch als Vorsorge bei altersbedingter Unfruchtbarkeit zu nutzen.

Was die Erfolgschancen angeht, kann man sich vor allem an den Statistiken der künstlichen Befruchtung oder der Eizellspende orientieren. In Deutschland ist die Eizellspende zwar nicht erlaubt, aber in Ländern wie Spanien, Dänemark oder den USA wird diese Form der Behandlung bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt und zeigt nachweislich sehr hohe Erfolgsraten. Beim Social Freezing spendet man quasi seine eigene, jüngere Eizelle an sich selbst. Wenn es auch keine Langzeitstudien zum Thema Einfrieren von Eizellen gibt, so kann man doch davon ausgehen, dass die Ergebnisse hier mindestens vergleichbar sein sollten.

Mythos 2:

Social Freezing ist nur etwas für verzweifelte Frauen, die keinen Partner haben.

Wahrheit: 

Ein Grund dafür, warum das freiwillige Einfrieren von Eizellen immer noch ein Thema ist, über das viele Frauen nicht gerne reden, ist die Tatsache, dass immer noch der Irrglaube besteht, dass es nur Frauen tun, die keinen Partner finden. Man fühlt sich von der Gesellschaft abgestempelt. Dabei sind die Gründe für eine Social Freezing Behandlung oft vielschichtig und können vom fehlenden Partner, über die Karriereplanung bis zum noch mangelnden Kinderwunsch reichen.

Natürlich gibt es auch krankheitsbedingte Gründe, wie Endometriose, Hashimoto oder eine Krebsdiagnose – bei letzteren spricht man dann jedoch eher vom Medical Freezing. Aber eine OVIAVO Umfrage hat gezeigt, dass zunehmend auch Paare an der Behandlung interessiert sind. Denn unser Lifestyle verschiebt sich weiterhin nach hinten, unabhängig davon, ob wir einen Partner haben oder nicht: auch Paare wollen mittlerweile ihre Zweisamkeit länger nutzen und z.B. noch gemeinsam reisen oder in ihrer Karriere voranschreiten, bevor es in die Familienplanung geht.

Mythos 3: 

Das verwenden eingefrorener Eizellen hat Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes.

Wahrheit:

Bis heute gibt es keine Daten die belegen, dass das Verwenden eingefrorener Eizellen oder das Verwenden frischer Eizellen (z.B. bei IVF – künstlichen Befruchtungen) sich in irgendeiner Form auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Eine stichprobenartige, kontrollierte klinische Studie mit über 600 Eizellspendeempfängern, die 2010 veröffentlicht wurde, hat genau das bewiesen: Sie verglich die Schwangerschaftsraten von „frischen“ (also nie gefrorenen) Eizellen, die bei der künstlichen Befruchtung verwendet wurden, mit den Schwangerschaftsraten von vitrifizierten und aufgetauten Eizellen. Diese Studie ergab, dass das Einfrieren von Eizellen weder die Qualität noch die Fähigkeit zur Entwicklung eines gesunden Embryos beeinträchtigte. Wenn man also Eizellen im Alter von 30 Jahren einfriert und sie beispielsweise 10 Jahre später verwendet, hat man im Alter von 40 Jahren fast die gleiche Chance auf eine Schwangerschaft wie im Alter von 30 Jahren, was die Erfolgschance um über 200% erhöht.Nachweislich gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden der Babys aufgrund einer Social Freezing Behandlung.

Mythos 4:

Ich kann nach der Behandlung in keine andere Stadt oder ins Ausland ziehen, weil meine Eizellen hier gelagert sind.

Wahrheit:

Das ist falsch.

Natürlich gibt es Möglichkeiten die Eizellen sicher zu transportieren. Für den Kryo-Transport werden spezielle, tragbare Stickstoff-Behälter verwendet, auf denen Temperatursensoren installiert sind. Diese Tanks können einem langfristigen Transport weltweit standhalten. Natürlich birgt jeder Transport ein gewisses Risiko. Das grundsätzliche Risiko ist nach heutigen Standards jedoch relativ gering. Die Transportkosten variieren je nach Land und Distanz.

Mythos 5: 

Einfrieren verringert meine Chance auf natürlichem Wege schwanger zu werden und erhöht das Risiko einer vorzeitigen Menopause.

Wahrheit:

Einige Frauen denken fälschlicherweise, dass die Eizellentnahme nach der Stimulation die Anzahl der Eizellen im Körper verringert und es somit anschließend schwieriger wird, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Tatsächlich verlieren Frauen mit jedem Menstruationszyklus ca. 1000 Eizellen. Nur eine der Eizellen reift i.d.R. zum Eisprung heran – alle anderen Eizellbläschen sterben ab.

Die Hormontherapie bei einer Social Freezing Behandlung sorgt dafür, dass zu Beginn des Zyklus mehr als nur eine Eizelle von diesen 1000 Eizellbläschen heranwachsen kann. Es gehen also keine zusätzlichen Eizellen verloren, sondern man nutzt nur das, was der Körper eh abgegeben hätte. Aus diesem Grund beschleunigt das Einfrieren von Eizellen den Beginn der Wechseljahre in keinster Weise.

Mythos 6: 

Es ist besser abzuwarten und später eine künstliche Befruchtung durchzuführen, anstatt die Eizellen in jungen Jahren einzufrieren.

Wahrheit:

Um diesen Mythos aufzulösen, muss man die Biologie des weiblichen körpers verstehen: Jede Frau wird mit einer bestimmten Anzahl an Eizellen geboren. Dem Körper steht über die gesamte fruchtbare Lebensphase nur eine bestimmte Menge an gutem Zellmaterial zur Verfügung. Als Frau verliert man im Laufe der Zeit aber nicht nur die Anzahl an Eizellen, sondern auch die Qualität der Eizellen nimmt  mit zunehmendem Alter ab. Grundsätzlich sagt man, dass das Alter der Eizelle der größte Indikator für die Fruchtbarkeit einer Frau ist. Daher haben jüngere Eizellen eine bessere Chance auf gesunde Nachkommen. Aus diesem Grund empfehlen Ärzte Social Freezing idealerweise im Alter von unter 35 Jahren durchzuführen. Das erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche und gesunde Schwangerschaft.

Lässt man es mit zunehmendem Alter auf eine künstliche Befruchtung ankommen, dann werden entsprechend die “älteren” Eizellen für die Befruchtung genutzt. Die Erfolgswahrscheinlichkeiten sind dann altersabhängig entsprechend geringer als die, seiner jüngeren Eizellen.

Mythos 7: 

Es ist zu spät die Eizellen mit 38 Jahren einfrieren zu lassen.

Wahrheit:

Nein, es ist nicht zu spät.

Natürlich ist es auch möglich seine Eizellen mit 38 Jahren einzufrieren. Die Herausforderung ist, dass dann in der Regel weniger Eizellen vorhanden sind, aber gleichzeitig mehr Eizellen benötigt werden, um eine ausreichende Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit zu erlangen. Dazu kommt, dass die Kosten hier schnell in die Höhe schießen können, da mehrere Behandlungszyklen notwendig sind.

Natürlich empfehlen wir jeder Frau ihre Eizellen am besten vor 35 Jahren einzufrieren, aber am Ende ist es die individuelle Entscheidung und Verantwortung einer jeden Frau abzuwägen, ob diese Kosten-Nutzen-Rechnung für sie persönlich Sinn ergibt. Mehr zum Thema Alter und Social Freezing findest du hier.